Das Coronavirus zwingt viele Firmen zu großen Umstellungen. Etablierte Homeoffice-Dienste etwa von Microsoft geraten unter Druck. Aber die Telekomnetze halten. Joachim Richter, Partner bei AXXCON, nimmt im Interview mit dem Handelsblatt zu diesem brand aktuellen Thema Stellung.

Corona zwingt Firmen dazu, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Videodienste sind nun wichtiger denn je. Doch halten sie dieser hohen Auslastung stand? „Wenn statt 100 auf einmal 1000 Leute simultan anrufen, ist auf ein einmal die Grenze erreicht.“ äußert sich Joachim Richter, Partner bei AXXCON und Experte für den IT-Betrieb. Er hat langjährige Erfahrung als IT-Manager in der Telekommunikationsbranche. Im Interview mit dem Handelsblatt nimmt er Stellung zu diesem aktuellen Thema.

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(Quelle: Handelsblatt, März 2020)

Kleine Unternehmen spielen vorne mit – öffentliche Ladestationen der Renner

Frankfurt, 03. Dezember 2019. Auch in diesem Jahr zeigt sich beim Innovation Benchmark Energiewirtschaft des Beratungsunternehmens AXXCON: Größe, Finanzstärke und Konzern-
hintergrund sind keine zwingenden Voraussetzungen für ein innovatives Dienstleistungsangebot.
So spielen im aktuellen Ranking kleine und mittlere Energieversorger noch deutlicher vorne mit als
im Jahr 2018: Zu den insgesamt drei Unternehmen, die sich Platz eins teilen, zählen zwar die RWE-Tochter Innogy und Eon – deren derzeit stattfindende Fusion zu einem noch mächtigeren Energieriesen führen wird –, aber auch die Stadtwerke Münster. Diese gehören mit einem Jahresumsatz von rund 0,5 Milliarden Euro im Jahr 2018 zu den kleinsten der untersuchten Unternehmen.

Für die von Juni bis November 2019 durchgeführte Studie zur Innovationstätigkeit der deutschen Energieversorger wurde das nach außen sichtbare Angebot innovativer Dienstleistungen und Produkte von Beratungs-Apps über Elektromobilität bis hin zu Telefonie und Internet verglichen. Grundlage waren die aktuellen Einträge auf den jeweiligen Internetseiten. Untersucht wurden 26 deutsche Energieversorger – von den großen landesweit agierenden Playern bis hin zu kleineren und mittleren Stadtwerken. Letztere wurden exemplarisch ausgewählt, um die verschiedenen Größenordnungen abzubilden. Die im Rahmen der Untersuchung betrachteten EVUs generieren einen Jahresumsatz von ca.144 Milliarden Euro. Insgesamt werden in Deutschland auf dem Energiemarkt jährlich ca. 305 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Spitzenplätze für regionale Versorger

Auch im weiteren Verlauf des Rankings zeigt sich, dass sich die kleineren, regional tätigen Versorgungsunternehmen keinesfalls hinter den großen Anbietern verstecken müssen: Platz zwei teilt sich das in Bezug auf die Größe ebenfalls ungleiche Paar EnBW (Jahresumsatz 22 Milliarden Euro) und die Stadtwerke Augsburg (0,6 Milliarden Euro). Auf Platz drei stehen insgesamt sechs mittelgroße und kleine Unternehmen: Stadtwerke Duisburg, MVV-Energie, Rheinenergie, Mainova, die Stadtwerke Iserlohn und die EWE AG. Andersherum ist auch Größe nicht immer mit Innovationsstärke gleichzusetzen: Vattenfall mit einem Jahresumsatz von 12,5 Milliarden Euro findet sich gemeinsam mit weiteren EVUs erst auf Platz sechs.

„Dies bestätigt die Beobachtung aus den vergangenen Jahren, dass auch kleinere Unternehmen, innovative Produkte und Services auf den Markt bringen können“, folgert Stefan Jaschke, Partner bei AXXCON. Und, so erklärt der Experte für Energieversorgungsunternehmen weiter: „Für kleine Stadtwerke ist es nicht nur möglich, mit den Großen mitzuhalten, sie können auch jetzt noch nachziehen.“ So haben sich die Stadtwerke Münster seit dem vergangenen Jahr von einem mittleren Platz auf den Spitzenplatz verbessert. Zu dem nach außen sichtbaren Leistungsangebot des Unternehmens sind zahlreiche Produkte hinzugekommen – von Autostromverträgen über Heizungsverkauf, intelligente Straßenlaternen, intelligente Stromtarife, Online-Terminvereinbarung und Photovoltaik bis hin zu Telefonie und Internet.

Ausgemacht wurden im Rahmen der Untersuchung wie bereits im Vorjahr insgesamt 49 innovative Leistungsangebote. Diese umfassen ein breites Spektrum von der Möglichkeit zur Online-Terminvereinbarung über den Einsatz neuer Speichertechnologien bis hin zu intelligenten Stromtarifen. Durchschnittlich stieg die Anzahl der angebotenen innovativen Produkte pro Unternehmen von 24 auf 24,8 an. Aufgefallen ist allerdings auch: Die absolute Zahl der identifizierten Leistungsangebote der laut der Studie innovativsten Energieversorger hat sich nicht vergrößert, sondern ist im Gegenteil sogar leicht zurückgegangen – von 36 auf 33. Daraus folgert Dr. Bernard Richter, Manager und Energieexperte bei AXXCON: „Wird ein Produkt vom Kunden nicht angenommen, sind innovative Unternehmen auch bereit, es wieder vom Markt zu nehmen.“

Mobilitätsdienstleistungen auf dem Vormarsch

Die in der Studie untersuchten Leistungsangebote wurden in vier Rubriken geclustert: Digitalisierung, effiziente Energienutzung und -erzeugung, Mobilität sowie innovative Services und Vertriebs-
strategien. Im Kerngeschäft effiziente Energienutzung und -erzeugung – von Energiemanagement über Smart Grids bis zum Smart Home – haben sich, was die Zahl der Leistungen betrifft, kaum Veränderungen ergeben. Auch im Bereich Digitalisierung, der unter anderem Apps, Online-Portale und die elektronische Abrechnung umfasst, sind kaum neue Produktangebote hinzugekommen. Anders sieht es im Bereich Mobilität aus. Hier haben die EVUs im Vergleich zum vergangenen Jahr von durchschnittlich 3,4 Mobilitätsprodukten auf vier Produkte zugelegt: Öffentliche Ladestationen werden jetzt von fast allen EVUs angeboten, private Ladestationen bieten 88 Prozent der untersuchten EVUs an. E-Autos und Flottenmanagement sowie Carsharing haben jeweils 38 Prozent der Unternehmen im Programm, 27 Prozent bieten E-Roller oder Segways an. Dr. Richter: „Bei den Stadtwerken zeichnet sich ein Trend hin zu Mobilitätsdienstleistungen ab. Damit tragen sie der Tatsache Rechnung, dass in Deutschland immer mehr Elektrofahrzeuge zugelassen werden.“

Nachholbedarf bei innovativen Services und Vertriebsstrategien

Im Bereich innovative Services und Vertriebsstrategien wiederum hat vor allem das Heizungs-
contracting zugelegt: Wurde es im Jahr 2018 von zehn Prozent der Unternehmen angeboten, sind es nun 20 Prozent. Insgesamt jedoch bleibt insbesondere in diesem Innovationsbereich viel Luft nach oben, was die Anzahl der von den Unternehmen angebotenen Leistungen im Vergleich zu den möglichen betrifft, sie liegt bei lediglich 20 Prozent. „Die Unternehmen sollten mutiger sein und innovative Services ausprobieren“, kommentiert AXXCON-Manager Dr. Richter. Unter anderem sieht er ein großes Entwicklungspotenzial im Bereich Internet und Telefonie. „Hier könnten die EVUs insbesondere im ländlichen Raum mit Glasfasernetzen ein neues, aber naheliegendes Geschäftsmodell aufbauen“, so der Experte.

Für den „AXXCON Innovation Benchmark Energiewirtschaft“ wurde das Leistungsangebot von 26 ausgewählten EVUs von Juni bis November 2019 verglichen. Die Ergebnisse wurden den Vorjahren gegenübergestellt. Bei Interesse kommen Sie gerne auf uns zu. Die Ergebnisse der Studie geben wir nicht heraus. Wir erläutern Ihnen diese aber sehr gerne in einem persönlichen Gespräch.

Stefan Jaschke, Partner bei AXXCON und EVU-Experte, im Interview mit der ZfK rund um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Ideen

Herr Jaschke, in der Axxcon-Studie geben 84 Prozent der Umfrage-Teilnehmer an, Innovationen spielen in ihren Unternehmen eine sehr große oder eher große Rolle. Allerdings haben nur ein Drittel einen klar definierten Innovationsansatz. 68 Prozent dagegen finden, dass sich die Zielsetzung im Laufe der Zeit ergibt. Muss man gleich wissen, wohin man will?
Ein Ziel für Innovationsaktivitäten ist notwendig, um die eingesetzten Mitarbeiter und die finanziellen Aufwendungen zielführend einzusetzen. In welchem Bereich sollen Innovationen erreicht werden, sind es Prozessinnovationen oder Optimierungen in Arbeitsabläufen, Entwicklungen von neuen Produkten, Dienstleistungen oder gar die Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen? Die Entwicklung unterschiedlicher Innovationsarten resultieren in unterschied-lichen Aktivitäten. Eine Fokussierung, was erreicht werden soll, ermöglicht den zielgerichteten Einsatz von Ressourcen, um die richtige Intensität in den richtigen Themen trotz hoher Ungewissheit zu bearbeiten. Dabei ist es wichtig, bei der Zielsetzung auch nicht zu eng zu werden – Innovation findet per Definition außerhalb von bekannten Grenzen statt. Hier muss die richtige Balance zwischen »Wir wissen worauf wir zielen« und »Wir müssen noch rausfinden womit« zu finden. Wer kein Ziel hat, für den ist jeder Weg der Richtige!

Wie vermeide ich halbherzige Innovationen?
Grundsätzlich ist ein Bekenntnis zur Innovation und die Schaffung einer Innovationskultur auf allen Ebenen eines Unternehmens erforderlich. Klare Ziele und ein Controlling helfen, den Fortschritt der Innovationsbemühungen festzustellen und, wenn nötig, steuernd einzugreifen. Nur ein paar junge Talente mit einem Jahresvorrat an Red Bull in ein Innovationslabor zu stecken, reicht heute einfach nicht mehr! Innovation ist immer auch ein Thema des unternehmerischen Mutes und der Unternehmenskultur. Ohne den Mut, neue Ideen oder entwickelte Produkte oder Services zeitnah zu lancieren, wird der Unternehmer immer halbherzig unterwegs sein. Gerade bei solchen Aspekten, die in der Unternehmenskultur verankert sind – wie Fehlertoleranz oder Kommunikation –, können vor allem kleinere Unternehmen ihre Chancen gegenüber Konzernen finden.

Nur in der Hälfte der befragten Unternehmen ist das Thema Innovationen organisatorisch verortet. Wenig erstaunlich: Bei 63 Prozent der Unternehmen mit weniger als 100 Mio. Euro Umsatz gibt es keinen eigenen Bereich. Brauchen kleinere Firmen dies überhaupt?
Die Studie bestätigt unsere Erfahrungen aus unseren Beratungsprojekten. Ein eigenständiger Bereich, ergänzt durch ein Innovations-Lab und eine klare Verantwortung für Innovationstätigkeiten, sind essenziell für das Erreichen der Ziele. Auch in kleineren Firmen können Mitarbeiter für Innovationsaktivitäten freigestellt werden, um an konkreten Projekten zu arbeiten und nach Abschluss des Projektes in das ursprüngliche Aufgabengebiet zurückzukehren.

Sie folgern aus der Axxcon-Studie, neue disruptive Geschäftsmodelle werden eher nicht vorangetrieben, dagegen wird eher das Bestehende verbessert. Ist es nicht klüger, erst einmal das Bestehende zu optimieren, bevor man sich an die Innovationen wagt?
Auch hier ist immer die Frage nach dem Warum zu stellen und in welcher konkreten Situation sich das Unternehmen befindet. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen durch Innovationsbemühungen? Sind Prozessinnovationen ein vordringliches Ziel, spricht nichts dagegen, sich auf diese Innovationsfelder zu konzentrieren. Ein Blick in die Energiewirtschaft, eine unserer Kernberatungsbranchen, ergibt: In den vergangenen Jahren wurden viele Projekte zur Optimierung von technischen Prozessen durchgeführt, die helfen sollten einen hohen Automatisierungsrad in einzelnen Prozessen zu erreichen – Stichworte: Mobile Workforce, Smart Metering, Self-Service. Also eher nach innen gerichtet. Nicht im Fokus war die Ausrichtung auf den Kunden. Was möchte der Kunde? Wie kann ein Energieversorger die Bedürfnisse des Kunden erkennen, was will der Kunde und wie kann ich als Energieversorger darauf reagieren? Hier blicken wir auf neue Geschäftsmodelle, die neue Fähigkeiten benötigen und neue Umsatzpotenziale erst ermöglichen.

Dabei ist laut Studie das wichtigste Ziel der Innovations-Entwicklungen der Kundennutzen, noch vor der Erhöhung des Umsatzwachstums. Allerdings sind nur 17 Prozent sehr zufrieden mit dem gesteigerten Kundennutzen, beim Umsatz sind es 15 Prozent. Was läuft schief?
Im Moment gehen wir davon aus, dass hier eine verzerrte Erwartungshaltung in Erscheinung tritt. Abgesehen von technischen Innovationen ist Deutschland ein Entwicklungsland in Sachen Innovationskultur, verglichen mit angelsächsischen Ländern. Die Erwartung ist meist: Wir machen das jetzt, machen es gut und dann wollen es alle Kunden haben. Eine Innovation zu entwickeln, ist, dem Pareto-Prinzip folgend, nur 20 Prozent Innovationsarbeit, die restlichen 80 Prozent entfallen auf die Markteinführung, die Vermarktung, die Supply Chain etc. Die Hürden hier sind enorm und ohne einen End-To-End-Produkt-management Ansatz werden viele vorab geäußerten Erwartungen verfehlt. Vor allem im offensiven Vermarkten der Ideen sowie dem schnellen Skalieren sehen wir Herausforderungen innerhalb der Unternehmen.

Hat es Sie überrascht, dass bei Innovationen der Kundennutzen im Vordergrund steht und nicht das Umsatzwachstum?
Nein, in der Energiewirtschaft wurde in der Vergangenheit der Kunde nahezu nicht betrachtet. In einem Commodity-Geschäft mit überschaubarem Wettbewerb und guten Margen waren effiziente Prozesse bei den Energieversorgern im Fokus. Die Kundenwünsche verändern sich und werden digitaler. Der Fokus auf ein positives Kundenerlebnis ist somit konsequent und richtig. Die Orientierung am Kundennutzen – nicht unbedingt am Kundenwunsch – ist bei Innovation die richtige Vorgehensweise – das haben die Unternehmen bereits erkannt. Darunter kann man viele Themen wie auch erhöhte Produktqualität subsummieren. Mit der richtigen Produkt- und Kundensegmentierung sowie Vermark-tungs- und Skalierungsansätzen folgt daraus in der Regel auch ein Umsatzwachstum.

Quelle: ZfK, September 2019 https://www.zfk.de/digitalisierung/it/artikel/innovationen-finden-ausserhalb-von-bekannten-grenzen-statt-2019-09-14/

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